Der Tagungsband ist da!
Unter dem Titel „Geschenktes Dasein – Ferdinand Ulrich und die Philosophie der Gabe“ fand im vergangenen Herbst eine erste Ulrich-Tagung in Passau statt, auf der das in der Philosophie und Theologie viel diskutierte und für den Regensburger Philosophen Ferdinand Ulrich so zentrale Thema des Seins als Gabe in den Blick genommen wurde. Nun sind die Beiträge der Tagung als Buch erschienen und bieten aufgrund der Relevanz dieser Thematik in Ulrichs Denken auch eine Einführung in sein philosophisches Gesamtwerk.
„Ferdinand Ulrich denkt alles Sein als Gabe: Alles Wirkliche ist gegeben, geschenkt. Und damit wird es zur Anfrage an den Menschen: Wie verhalte ich mich zu dem, was sich mir gibt und was mir zugleich immer schon gegeben ist?“, so Bischof Dr. Stefan Oster SDB über den Mann, den er als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet. „Da diese Thematik im Grunde in allen seinen Schriften immer wieder auftaucht, bot es sich an, die erste Ulrich-Tagung diesem Thema zu widmen.“ Daher habe auch der nun erschienene Tagungsband einen einführenden Charakter: Über das Sein als Gabe nachzudenken, böte die Möglichkeit, die schwierigen Texte von Ulrich zugänglicher zu machen, so Oster. So eigne sich dieser Band für die Aneignung von Grundkenntnissen zu Ulrichs komplexem Gesamtwerk und zugleich werde darin sichtbar, wie Ulrichs Denken fruchtbar gemacht werden kann für das Gespräch mit unterschiedlichen Strömungen heutigen Denkens.
In dem Tagungsband sind die fünf Vorträge von Martin Bieler, Marine de la Tour, Stefan Oster, David C. Schindler und Manuel Schlögl in zum Teil erweiterten und vertieften Fassungen versammelt. Ergänzt wurden sie außerdem mit einem zusätzlichen Beitrag von Thomas Schärtl-Trendel, der nicht bei der Tagung anwesend war, sondern eingeladen wurde, mit einem „Außenblick“ auf die eingereichten Texte und die Philosophie von Ulrich zu schauen.
Mit dem Thema „Freiheit und Freigabe“ führt Bischof Oster in das Thema ein, indem er Ulrichs Philosophie der Gabe vor allem biographisch und damit auch mit zahlreichen konkreten Beispielen erklärt. Denn „je länger man sich damit befasst, wird einem deutlich, dass es bei Ulrich mitten in diesem abstrakten Denken und Fragen zugleich immer um das Allerkonkreteste geht“, so Oster. Eine seiner wesentlichsten Einsichten aus dem von Ulrich Gelernten sei: „Alles, was es gibt, existiert aus verschenkter Liebe und alles Lebendige lebt aus verschenkter Liebe.“ Der Beitrag von Professor Dr. Manuel Schlögl, der mit Bischof Oster Herausgeber des Tagungsbandes ist, bietet eine Einführung in den Gabe-Diskurs der Philosophie und Theologie des 20. Jahrhunderts, in der ausgehend von der Kulturanthropologie das Geben und Empfangen als Interpretationskategorie der Wirklichkeit wiederentdeckt worden sei. Dr. Marine de la Tour aus Frankreich ergänzt dies in ihrem Beitrag, indem sie das Gabe-Verständnis Ulrichs und seine philosophischen Voraussetzungen ausführlich erläutert. Der reformierte Theologe Dr. Martin Bieler aus der Schweiz erläutert ausführlich die Verankerung von Ulrichs Seinsdenken im Werk von Thomas von Aquin. Und der amerikanische Professor Dr. David C. Schindler plädiert in einem geistesgeschichtlich weit gespannten Bogen dafür, in Ulrichs Werk einen Schlüssel zu sehen, um Problemstellungen des modernen philosophischen Nachdenkens zu überwinden. Bezugnehmend auf Heidegger bringt Schindler Ulrichs Denken in der Frage nach der angemessenen Antwort des Menschen auf das Sein als Gabe auf den Punkt: „Denken als Danken“. Es brauche eine Haltung der Dankbarkeit und der Fürsorge für unser „geschenktes Dasein“. Professor Dr. Thomas Schärtl-Trendel von der LMU München hat mit seiner umfassenden Kenntnis insbesondere deutscher und amerikanischer Philosophie und Theologie eine historische und sachliche Einordnung von Ulrichs Denken versucht. Sein Beitrag bereichert den Band um eine würdigende und zugleich kritische Perspektive, die den Raum für einen Diskurs und für eine weitere Vertiefung eröffnet.
Der Band über die Philosophie der Gabe bildet den Auftakt der neuen Reihe Ferdinand Ulrich. Studien und ist nun beim Verlag Karl Alber als Buch erhältlich. In dieser neuen Reihe sollen Tagungs- und Sammelbände zu spezifischen Themen in Ulrichs Philosophie, aber auch Monographien, Einzelstudien oder Qualifikationsschriften zu seinem Denken publiziert werden. Neben dieser Reihe wurde letztes Jahr auch der erste Band der zweiten neuen Reihe Ferdinand Ulrich. Werke aus dem Nachlass herausgegeben, in der bisher unveröffentlichte und entlegene Schriften von Ferdinand Ulrich zu verschiedenen Themen versammelt werden. Um die Philosophie von Ferdinand Ulrich für die Forschung sowie die interessierte Öffentlichkeit breiter sichtbar und bekannt zu machen, werden die Bände beider Reihen jeweils nach zwei Jahren mit Open Access zugänglich sein. Ulrichs Hauptwerke sind weiterhin in der Schriftenreihe des Johannes Verlag Einsiedeln erhältlich.
Stefan Oster und Manuel Schlögl [Hrsg.]
Geschenktes Dasein – Ferdinand Ulrich und die Philosophie der Gabe
Herausgegeben von Bischof Dr. Stefan Oster SDB und Prof. Dr. Manuel Schlögl
Unter Mitarbeit von Andrea Schwemmer
Band 1 der Reihe Ferdinand Ulrich. Studien
Karl-Alber-Verlag, 1. Auflage 2026, 155 Seiten
ISBN 978-3-495-98987-6
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Freude über den Tagungsband bei Bischof Stefan Oster, Andrea Schwemmer und Manuel Schlögl, Foto von Susanne Simperl (pbp)


